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Starker Schweizer Franken: Auswirkungen auf Unternehmen und Strategien 2025-2026
Kurz gesagt. 2025 blieb der Schweizer Franken gegenüber dem Euro stark, mit einem durchschnittlichen EUR/CHF-Kurs von rund 0,9274 (Quelle EZB). Wir sind nicht auf den Extremniveaus von 2015 (Parität) oder 2022, aber der Druck auf die Exporteure ist real. Die SNB hat den Leitzins im Juni 2025 auf 0% gesenkt und sich bereit erklärt, auf dem Devisenmarkt zu intervenieren. Für Tessiner Unternehmen mit italienischen Kunden oder Lieferanten ist der Wechselkurs eine Variable, die konkret auf die Margen wirkt — und sie ist mit Methode zu steuern, nicht aus dem Bauch heraus.
Der Franken 2025: stark, aber nicht extrem
Beginnen wir mit den realen Zahlen, denn die Debatte um den "starken Franken" übertreibt häufig in die eine oder andere Richtung.
Die EZB-Daten zum EUR/CHF erzählen folgende Geschichte:
| Periode | EUR/CHF |
|---|---|
| Mittel 2024 | 0,9527 |
| Höchst 2024 (24. Mai) | 0,9932 |
| Tiefst 2024 (3. Januar) | 0,9275 |
| Mittel 2025 | 0,9274 |
| Höchst 2025 (11. August) | 0,9430 |
| Mai 2026 | ~0,9131 (Quelle SNB) |
In der Praxis: 2024 erreichte der Euro fast die Parität zum Franken (0,9932 im Mai), schwächte sich dann wieder ab. 2025 sank der Durchschnitt auf 0,9274. 2026 liegen wir bei rund 0,91.
Zum Vergleich: Im Januar 2015, als die SNB den EUR/CHF-Mindestkurs aufgab, erreichte der Franken die Parität 1,00. 2022 lagen wir noch um 0,975. Heute sind wir bei 0,91 — der Franken ist stark, aber es ist kein historischer Schock wie damals.
Es gibt auch eine andere Lesart, vom SECO unterstützt: Der reale Franken (bereinigt um die Inflationsdifferenzen) ist schwächer, als der Nominalkurs nahelegt. Von 2015 bis 2025 hat der nominale Franken gegenüber dem Dollar rund 20% aufgewertet, doch die US-Inflation (+35%) lag deutlich über der schweizerischen (+8%), was den Wechselkursvorteil für die Schweizer Produzenten teilweise erodiert. Das heisst nicht, dass das Problem nicht existiert, sondern dass es korrekt gelesen werden muss.
Was die SNB getan hat
Die Schweizerische Nationalbank hat zwischen 2024 und 2025 sechs aufeinanderfolgende Senkungen des Leitzinses vorgenommen:
- März 2024: erste Senkung
- Juni, September, Dezember 2024: drei weitere Senkungen
- März 2025: fünfte Senkung
- 19. Juni 2025: sechste Senkung, Zins auf 0,0%
- 25. September 2025: Zins bei 0% beibehalten
Der Senkungszyklus ist damit beendet. 0% stellt die praktische untere Grenze dar: Ein Abgleiten in negatives Terrain hätte unerwünschte Effekte auf Sparer und Pensionskassen, wie schon zuvor erlebt.
Die SNB rechnet mit einer Inflation von 0,2% für 2025 und 0,5% für 2026, bei einem BIP-Wachstum zwischen 1 und 1,5%. Sie hat sich bereit erklärt, am Devisenmarkt zu intervenieren, falls die Lage es erfordert — direkte Interventionen bleiben jedoch ein ausserordentliches Instrument, kein ordentliches.
Wer leidet und wer profitiert
Die Frankenstärke wirkt nicht für alle gleich. Sie hat je nach Position des Unternehmens entgegengesetzte Effekte:
Verlierer:
- Exporteure: Wer in Euro oder Dollar fakturiert, erhält pro verkaufter Einheit weniger Franken. Die Uhrenindustrie ist das am häufigsten genannte Beispiel: Der Export Schweizer Uhren verzeichnete 2025 einen Rückgang von 1,7% (insgesamt 25,6 Milliarden CHF), mit deutlichen Rückgängen Richtung China und Hongkong (-3,8%). Die Maschinenindustrie (Swissmem) meldet rückläufige Aufträge. Das Baugewerbe leidet an mehreren Fronten.
- Europäischer Tourismus: Die Schweiz wird für Touristen aus dem Euroraum teurer. Die Übernachtungen europäischer Gäste zeigen Anzeichen von Schwäche.
Gewinner:
- Importeure: Wer Güter oder Dienstleistungen im Ausland einkauft (Italien, Deutschland, Frankreich…), gibt für dieselben Euro weniger Franken aus.
- Unternehmen mit Euro-Kosten: ausländische Lieferanten, Mieten in Italien, europäische Rohstoffe — alles ist günstiger.
- Aussereuropäische Touristen: Amerikaner und Asiaten finden die Schweiz erschwinglicher, wenn Dollar oder Yen gegenüber dem Franken stark sind.
Fokus Tessin: Der Wechselkurs zu Italien
Für Tessiner Unternehmen ist die EUR/CHF-Frage konkret und tagtäglich, weil viele mit italienischen Kunden oder Lieferanten arbeiten.
Wer nach Italien exportiert und in Euro fakturiert: Bei EUR/CHF von rund 0,91 ist jeder eingenommene Euro 0,91 CHF wert. Als der Kurs nahe der Parität lag (0,99 im Mai 2024), war derselbe Euro 0,99 CHF wert. Die Differenz beträgt rund 8 Rappen pro Euro — 8% weniger CHF-Erlös bei gleichem Fakturierungsvolumen, bei gleichen Euro-Preisen. Bei bedeutenden Volumen ist das eine nicht zu vernachlässigende Margenwirkung.
Wer aus Italien importiert und in Euro bezahlt: Die Überlegung ist umgekehrt. Jeder bezahlte Euro kostet weniger Franken als vor einem Jahr. Italienische Lieferanten sind effektiv günstiger geworden.
Die Grenzgänger zählen weiterhin strukturell zu den Gewinnern eines starken Frankens: Sie verdienen in CHF und geben einen Grossteil in Italien aus, wo die Euro-Kosten gegenüber der Kaufkraft ihres Schweizer Lohns tiefer liegen.
Der italienische Tourismus im Tessin leidet hingegen: Das Tessin gilt für italienische Touristen als teuer, sie finden ein nationales Ziel oder andere europäische Destinationen günstiger.
Praktische Strategien für KMU mit Währungsexposition
Wer einen erheblichen Teil seines Exports oder Imports in Fremdwährung abwickelt, kann das Wechselkursrisiko nicht ignorieren. Laut Credit Suisse (heute UBS) sind die meistgenutzten Strategien Schweizer KMU folgende:
Finanzielle Absicherung:
- Termingeschäfte (Forwards): Heute wird der Kurs fixiert, zu dem Devisen in Zukunft gekauft oder verkauft werden, was die Unsicherheit über 3 bis 12 Monate eliminiert.
- Participating Forwards: eine Variante, die ein gewisses Upside bei günstiger Kursentwicklung belässt.
- Devisenkauf auf Vorrat: Bei günstigem Kurs kaufen einige KMU Fremdwährung im Voraus für kommende Auszahlungen.
Operative Strategien:
- In CHF preisen, wenn möglich: Das Risiko bleibt beim ausländischen Kunden, nicht beim KMU.
- Dynamische Preise mit Wechselkursklausel: Verträge mit automatischer Preisrevision, wenn EUR/CHF aus einer vorgegebenen Bandbreite ausbricht.
- Märkte diversifizieren: Reduktion der Abhängigkeit vom Euroraum durch Steigerung des Exportanteils in die USA, nach Asien oder in andere Währungsräume.
- Teilproduktion verlagern: Euro-Kosten (europäische Lieferanten, dezentralisierte Produktion) reduzieren das Nettoexposure natürlich.
Die goldene Regel, von allen Experten betont, ist Konsistenz: Eine zum Unternehmensprofil passende Absicherungsstrategie definieren und systematisch anwenden — nicht impulsiv auf jede Marktbewegung reagieren.
Wie wir Sie unterstützen
Für ein Tessiner KMU ist das Wechselkursrisiko nicht nur ein Bankenthema: Es ist ein Datum, das in die Finanzplanung und die Buchhaltung gehört. Zu wissen, wie viel der Euroumsatz tatsächlich wert ist, wie sich die Margen bei Kursveränderungen verhalten und wie man ein Budget mit Berücksichtigung der Wechselkursunsicherheit aufstellt — all das findet seine Antworten in einer sauber geführten Buchhaltung und einer rigorosen Finanzplanung.
Fidav begleitet die Tessiner KMU in der Buchhaltungsführung und in der Finanz- und Gesellschaftsberatung, mit konkretem Augenmerk auf die Besonderheiten des Grenzgebiets. Vertiefen Sie unsere Buchhaltung und Finanzverwaltung und die Gesellschafts- und Strategieberatung.
Haben Sie Fragen zur Auswirkung des Wechselkurses auf Ihr Unternehmen? Schreiben Sie uns auf WhatsApp an +41 79 741 02 89 oder rufen Sie +41 91 640 40 20 an.
FAQ (auf der Seite + FAQPage-Schema oben sichtbar)
Ist der Schweizer Franken 2026 weiterhin stark? Ja, aber nicht auf den Extremniveaus von 2015 (EUR/CHF-Parität 1,00) oder 2022. Der durchschnittliche EUR/CHF-Kurs 2025 lag bei rund 0,9274 (Quelle EZB), der Mai-2026-Wert um 0,91. Die SNB hat den Leitzins im Juni 2025 auf 0% gesenkt, mit der Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, falls nötig.
Welche Schweizer Branchen leiden am stärksten unter dem starken Franken? Am stärksten betroffen sind Branchen mit hohem Exportanteil: Die Uhrenindustrie verzeichnete 2025 einen Exportrückgang von 1,7%, der Maschinen- und Elektrobereich leidet unter rückläufigen Aufträgen und der europäische Tourismus reagiert auf eine teurere Schweiz. Im Gegenteil profitieren Importeure und Unternehmen mit Euro-Kosten vom starken Franken.
Was hat die SNB getan, um die Frankenstärke 2025 zu bewältigen? Die SNB hat zwischen 2024 und 2025 sechs aufeinanderfolgende Leitzinssenkungen vorgenommen und ihn am 19. Juni 2025 auf 0,0% gebracht, wo er an der Sitzung vom 25. September 2025 verblieb. Die SNB rechnet mit einer Inflation von 0,5% für 2026 und hat sich bereit erklärt, am Devisenmarkt zu intervenieren, falls nötig.
Wie wirkt sich der starke Franken auf Tessiner Unternehmen mit italienischen Kunden aus? Wer nach Italien exportiert und in Euro fakturiert, erhält pro eingenommenem Euro weniger Franken als auf den Höchstständen 2024. Mit EUR/CHF um 0,91 gegenüber 0,99 im Mai 2024 beträgt die Differenz rund 8 Rappen pro Euro: 8% weniger CHF-Erlös bei gleichem Fakturierungsvolumen. Wer von italienischen Lieferanten einkauft, profitiert hingegen vom günstigen Wechselkurs.
Wie schützt sich ein Schweizer KMU vor dem Wechselkursrisiko? Die wichtigsten Strategien sind: Termingeschäfte zur Absicherung der erwarteten Exportflüsse, Preisgestaltung in CHF, um das Risiko an den ausländischen Kunden weiterzugeben, Marktdiversifizierung in Nicht-Euro-Räume und der Erwerb von Fremdwährung bei günstigem Kurs. Der Schlüssel ist Konsistenz: eine Absicherungsstrategie definieren und systematisch anwenden.
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