Settori

Schweiz–China: Weniger Zölle, neue Chancen für Schweizer Unternehmen Das neue Freihandelsabkommen könnte die Schweizer Exporte nach China stärken

Die Schweiz und China haben die Verhandlungen über die Aktualisierung ihres Freihandelsabkommens abgeschlossen. 99,8 % der Schweizer Exporte könnten von der Zollbefreiung profitieren. Für Unternehmen bedeutet eine frühzeitige Vorbereitung, neue Handelschancen in einen konkreten Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.

von Team Fidav 31. August 2026 7 min Lesezeit
Artikel-Cover: Schweiz–China: Weniger Zölle, neue Chancen für Schweizer Unternehmen Das neue Freihandelsabkommen könnte die Schweizer Exporte nach China stärken

Die Schweiz und China haben die Verhandlungen über die Weiterentwicklung des Freihandelsabkommens Schweiz–China abgeschlossen. Dies ist insbesondere für Schweizer Unternehmen von grossem Interesse: Nach Abschluss des vorgesehenen Verfahrens könnten künftig 99,8 % der heutigen Schweizer Exporte zollfrei Zugang zum chinesischen Markt erhalten.

Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen, die nach China exportieren, erhöhen und gleichzeitig neue Chancen für Unternehmen eröffnen, die einen Markteintritt in Asien erwägen oder ihre Aktivitäten dort ausbauen möchten.

Das Abkommen ist allerdings noch nicht in Kraft. Nach Abschluss der Verhandlungen am 20. August 2026 folgen die rechtliche Prüfung, die Unterzeichnung sowie die Genehmigungsverfahren in beiden Ländern.

Warum das Abkommen Schweiz–China wichtig ist

Das seit 2014 geltende Freihandelsabkommen hat den Handelsaustausch zwischen den beiden Ländern bereits gefördert. Dennoch besteht weiterhin eine wichtige Asymmetrie: Während nahezu alle chinesischen Importe in die Schweiz zollfrei sind, gilt diese Behandlung heute nur für rund die Hälfte der Schweizer Exporte nach China.

Die Weiterentwicklung des Abkommens zielt daher darauf ab, diese Differenz deutlich zu verringern.

China ist nach der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten der drittgrösste Handelspartner der Schweiz. Im Jahr 2025 erreichte das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und China 33,5 Milliarden Franken.

Für Schweizer Unternehmen bedeutet ein verbesserter Zugang zum chinesischen Markt daher nicht nur eine mögliche Senkung der Importkosten, sondern auch eine grössere Wettbewerbsfähigkeit in einem der bedeutendsten Märkte der Welt.

Potenzielle Einsparungen von 244 Millionen Franken

Gemäss Schätzungen des Bundes könnte die Weiterentwicklung des Abkommens bei den Schweizer Exporten zu jährlichen Gesamteinsparungen von rund 244 Millionen Franken führen.

Der Nutzen wird jedoch nicht für alle Produkte gleich ausfallen und möglicherweise auch nicht sofort eintreten.

Für bestimmte Warengruppen sind schrittweise Zollsenkungen und Übergangsfristen vorgesehen. Zu den potenziell betroffenen Branchen gehören Uhrenindustrie, pharmazeutische Produkte, Maschinen und chemische Erzeugnisse – Bereiche, in denen die Schweiz über bedeutende Kompetenzen und eine starke Exportorientierung verfügt.

Für bestimmte landwirtschaftliche Kategorien sind zudem besonders lange Übergangsfristen vorgesehen.

Was ändert sich konkret für ein Schweizer Unternehmen?

Die erste Konsequenz liegt auf der Hand: Die Senkung oder Abschaffung von Zöllen kann sich direkt auf die Kosten des Marktzugangs in China auswirken.

Der Wettbewerbsvorteil beschränkt sich jedoch nicht auf den Zollsatz.

Für ein Unternehmen, das nach China exportiert, kann der Nutzen aus verschiedenen Perspektiven beurteilt werden: Verkaufspreis, Marge, Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Konkurrenten sowie die Möglichkeit, einen Teil der Einsparungen in die Geschäftsentwicklung zu reinvestieren.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise einen Teil des Vorteils über einen wettbewerbsfähigeren Preis an seine Kunden weitergeben oder ihn zur Verbesserung der eigenen Marge nutzen. In anderen Fällen könnten die Einsparungen dazu beitragen, Marketing, Vertrieb, Kundendienst oder Geschäftsentwicklung in China zu finanzieren.

Das neue Abkommen kann somit zu einem Element werden, das in die umfassendere Internationalisierungsstrategie des Schweizer Unternehmens integriert wird.

Es geht nicht nur um Zölle

Einer der interessantesten Aspekte der Weiterentwicklung des Abkommens besteht darin, dass die Überarbeitung nicht ausschliesslich die Zolltarife betrifft.

Der neue Rahmen umfasst auch Ursprungsregeln, Handelserleichterungen, den Dienstleistungshandel, den digitalen Handel, Wettbewerb sowie die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.

Ursprungsregeln bleiben entscheidend

Um von den Präferenzregelungen eines Freihandelsabkommens profitieren zu können, reicht es nicht aus, dass ein Produkt lediglich von der Schweiz nach China versandt wird.

Es muss geprüft werden, ob das Produkt die im Abkommen vorgesehenen präferenziellen Ursprungsregeln erfüllt. Dies kann insbesondere für Unternehmen von Bedeutung sein, die Komponenten, Rohstoffe oder Halbfabrikate aus verschiedenen Ländern beziehen.

Die korrekte Warenklassifizierung, die Dokumentation des Ursprungs und das Management der Lieferkette werden daher zu wesentlichen Voraussetzungen, um die Vorteile des Abkommens tatsächlich nutzen zu können.

Dienstleistungen und digitaler Handel

Die Weiterentwicklung betrifft zudem den Dienstleistungshandel und den digitalen Handel.

Dies ist eine bedeutende Entwicklung, denn die Internationalisierung von Unternehmen erfolgt längst nicht mehr ausschliesslich über den physischen Verkauf von Produkten.

Beratung, technologische Dienstleistungen, digitale Lösungen, Supportleistungen und andere Dienstleistungen können einen immer wichtigeren Teil der internationalen Geschäftstätigkeit eines Schweizer Unternehmens ausmachen.

Für KMU bedeutet dies, den chinesischen Markt nicht nur als Absatzmarkt für Waren zu betrachten, sondern auch als möglichen Markt für Dienstleistungen, Know-how und innovative Lösungen.

Eine Chance, aber auch eine strategische Entscheidung

Die Nachricht über das Abkommen sollte daher nicht einfach als «weniger Zölle» verstanden werden. Für ein Schweizer Unternehmen geht es vielmehr darum, zu verstehen, wie das neue Handelsumfeld in die eigene Strategie integriert werden kann.

Eine Senkung der Zollkosten kann die Rentabilität einer bestimmten Produktlinie verändern. Sie kann einen Markt attraktiver machen, der zuvor aufgrund zu geringer Margen wenig interessant war. Oder sie kann eine bereits etablierte Marktpräsenz weiter stärken.

Bevor Entscheidungen getroffen werden, müssen jedoch die definitiven Bedingungen des Abkommens und der Zeitplan für dessen Umsetzung im Detail bekannt sein.

Was sollte ein Unternehmen prüfen?

Für ein Schweizer Unternehmen, das auf dem chinesischen Markt tätig ist oder dort tätig werden möchte, kann es sinnvoll sein, bereits jetzt folgende Punkte zu prüfen:

  • welche Produkte von den neuen Zollbedingungen profitieren könnten;
  • welche Zollansätze derzeit für die Exporte gelten;
  • ob die Produkte die künftigen präferenziellen Ursprungsregeln erfüllen;
  • welche Auswirkungen die Zollsenkungen auf die Margen haben könnten;
  • ob Preise und Geschäftsbedingungen gegebenenfalls angepasst werden sollten;
  • ob die internationale Lieferkette im Hinblick auf die neuen Chancen sinnvoll strukturiert ist;
  • welche Dienstleistungen oder digitalen Aktivitäten auf dem chinesischen Markt entwickelt werden könnten;
  • welche geschäftlichen Investitionen dadurch attraktiver werden könnten.

Diese Analyse kann insbesondere für Schweizer KMU von Bedeutung sein. Sie verfügen häufig über hoch wettbewerbsfähige Produkte und Kompetenzen, müssen jedoch Kosten, Risiken und die Komplexität einer internationalen Expansion sorgfältig abwägen.

Die Bedeutung der Planung

Eine Veränderung der internationalen Handelsbedingungen sollte nicht isoliert betrachtet werden: Zölle, Steuern, Unternehmensstruktur, Finanzierung, Warenströme, Lieferkettenmanagement und Marktstrategie sind miteinander verbundene Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen können.

Die Weiterentwicklung des Freihandelsabkommens Schweiz–China kann deshalb ein guter Anlass sein, die eigene Export- und Internationalisierungsstrategie zu überprüfen.

Es geht nicht zwingend darum, heute eine Entscheidung für einen Markteintritt in China zu treffen. Vielmehr gilt es zu prüfen, ob eine bestimmte Geschäftsstrategie angesichts der neuen Rahmenbedingungen attraktiver werden könnte als bisher.

Die Fidav-Perspektive

Die Weiterentwicklung des Abkommens Schweiz–China ist ein positives Signal für die Schweizer Wirtschaft und für exportorientierte Unternehmen.

Der Anteil von 99,8 % der Exporte, die potenziell zollfrei werden könnten, ist bedeutend. Allein daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, ob ein Geschäft wirtschaftlich vorteilhaft ist. Der tatsächliche Nutzen entsteht durch die Fähigkeit eines Unternehmens, regulatorische Veränderungen in eine fundierte wirtschaftliche Entscheidung zu übersetzen.

Deshalb lohnt es sich, frühzeitig vorbereitet zu sein: Handelsströme analysieren, anwendbare Regeln prüfen, die Auswirkungen auf die Margen berechnen und beurteilen, wie die neuen Chancen in die Unternehmensstrategie integriert werden können.

Fazit

Das aktualisierte Freihandelsabkommen Schweiz–China könnte eine neue Phase für die Schweizer Exporte einleiten. Tiefere Zölle sowie neue Bestimmungen zu Handel, Dienstleistungen, Investitionen und digitalen Aktivitäten können günstigere Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen, die den chinesischen Markt ins Auge fassen.

Die Chance ist jedoch nicht automatisch gegeben: Die neuen Regeln zu kennen und sich rechtzeitig vorzubereiten, wird entscheidend sein, um eine regulatorische Veränderung in einen konkreten Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.

Möchten Sie die Chancen für Ihr Unternehmen beurteilen?

Wenn Ihr Unternehmen nach China exportiert oder neue internationale Märkte erschliessen möchte, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Auswirkungen der neuen Handelsbedingungen zu analysieren.

Fidav unterstützt Sie bei der Beurteilung der steuerlichen, gesellschaftsrechtlichen und finanziellen Aspekte Ihrer Internationalisierungsstrategie. Kontaktieren Sie uns, um die Chancen für Ihr Unternehmen näher zu prüfen.

Sprechen wir darüber

Betrifft dieses Thema auch Ihr Unternehmen? Lassen Sie uns treffen.

Eine halbe Stunde Gespräch bewirkt mehr als tausend E-Mails. Schreiben Sie uns auf WhatsApp oder vereinbaren wir einen Termin: unverbindlich, kostenlos.

Scrivici su WhatsApp